Zeichen und Symbole

Start-

seite

Wochen-

spruch

Witz der

Woche

English

 Jokes

Pfarrkirche St. Peter und Paul, Aldekerk

Wer nur das Wirkliche gelten lässt,

wie arm ist ein solcher Mensch

in seiner Seele!

Ludwig Ganghofer

Meine

Hobbys

Meine

Bücher

Kurzge-

 schichten

Meine Gedichte

Seite für

Kinder

Roman

 Forts.

Gäste-

buch

Gäste-

statistik

Meine

Links  

Zeichen und Symbole

Von

Engeln

Vom

Leben

Aktualisiert

Samstag, 27. Dezember 2008

Was ist für Dich Religion ?

Gott wurde Mensch

Weihnachten ist vorbei. Die Euphorie, die Hektik der Vorbereitung. Geschenke einkaufen. Was gibt es zu essen. Wie schaffen wir das mit allen Verwandten, die besucht und beschenkt werden müssen ...

Müssen? - Nein!

Was ist wichtig an Weihnachten?

Gott wurde Mensch. Er kam, um uns Menschen zu erlösen. Er kam, um unser Bruder zu werden.

Nach all den Gesetzen und Geboten der Pharisäer und Schriftgelehrten brachte er uns ein neues Gebot: Nur eines ist wichtig: Die Liebe!

Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind.

Wie viel guten Willen hast Du? Deine Nächsten warten darauf, dass Du ihnen Liebe schenkst.

Die zehn letzten Beiträge zu diesem Thema

Der Adventkranz als Zeichen

Die vier Kerzen des Adventkranzes stehen in den vier Himmelsrichtungen.

Die erste Kerze leuchtet nach Süden. Auf der südlichen Halbkugel unserer Erde herrschen Hunger, Krankheit und Gewalt. Wir sollen bedenken, wie gut es uns geht, und in Dankbarkeit teilen.

Die zweite Kerze leuchtet nach Norden. Aus dem Norden kommt Eiseskälte. Wir sollten die Kälte mit dem Feuer der Nächstenliebe wärmen.

Die dritte Kerze leuchtet im Westen. Im Westen geht die Sonne unter. Die Kerze soll uns helfen gegen die dämonischen Kräfte der Finsternis.

Die vierte Kerze weist nach Osten, wo die Sonne aufgeht. In uns lebt die Sehnsucht nach dem aufgehenden Licht.

Möge uns zum Weihnachtsfest die Fülle des Lichtes aufgehen.

Unser Gottesbild

"Du sollst dir von Gott kein Bild machen", lesen wir im Alten Testament.

Die Menschen sind aber Wesen, die sich alles bildlich vorstellen möchten. Sie sehen Gott Vater als alten Mann mit einem weißen Bart. Dieses Bild hat mehrfache Symbolik: Gott als Vater aller Menschen ... Gott, der seit Ewigkeiten lebt ... Gott, der Weise ...

Viele Menschen weichen auf Symbole aus. Das wohl bekannteste Symbol für Gott Vater ist das Dreieck mit dem Auge.

"Ein Auge ist, das alles sieht, auch was bei dunkler Nacht geschieht", pflegte meine Oma zu sagen.

Mit dem Sohn haben wir keine Probleme. Da er Mensch geworden ist, können wir ihn auch als Menschen darstellen: Der Freund der Kinder ... der guten Hirten ... der Gekreuzigte ...

Die Symbole des Heiligen Geistes sind vor allem die Taube als Zeichen des Friedens und die Flammen als Zeichen der Reinheit, der Liebe und des Eifers.

Die frühen Christen benutzten als Erkennungszeichen untereinander den griechischen Buchstaben Alpha. Sie schrieben ihn so nieder, dass er wie ein stilisierter Fisch aussah. Daraus ergibt sich noch in heutiger Zeit der Fisch als Christussymbol.

Im Mittelalter waren die griechischen Buchstaben P X das Symbol für Christus, Abkürzung für CHR (Chi Rho). Man schrieb diese Buchstaben übereinander. So sieht man sie auch heute noch auf kirchlichen Fahnen und Gewändern.

Brot und Wein

Es liegt in der Natur des Menschen, dass er den Weg zu Gott sucht. Wir wollen eins sein mit Gott, Ihn hinein nehmen in unser ganzes Leben und Sein. Wir möchten mit Gott vereint werden, wie unser Leib mit Speise und Trank, bis wir ganz gesättigt, ganz erfüllt sind von Ihm.

Dieses Geheimnis findet seinen Ausdruck in den Gestalten von Brot und Wein.

Brot ist Nahrung, echte, nahrhafte Speise, die wir täglich genießen und deren wir nicht überdrüssig werden. Brot erhält den Menschen am Leben.

Wein ist Getränk, aber nicht nur ein Getränk, das den Durst löscht, wie das Wasser. Wein hat Duft und klare Schönheit. Er will des Menschen Herz froh machen, nicht um den Menschen zu berauschen, sondern um ihn mit Freude zu erfüllen.

Jesus wählt Brot und Wein, um sich beim Messopfer mit den Menschen zu vereinigen.

Es liegt in der Natur des Menschen, dass er den Weg zu Gott sucht. Wir wollen eins sein mit Gott, Ihn hinein nehmen in unser ganzes Leben und Sein. Wir möchten mit Gott vereint werden, wie unser Leib mit Speise und Trank, bis wir ganz gesättigt, ganz erfüllt sind von Ihm.

Dieses Geheimnis findet seinen Ausdruck in den Gestalten von Brot und Wein.

Brot ist Nahrung, echte, nahrhafte Speise, die wir täglich genießen und deren wir nicht überdrüssig werden. Brot erhält den Menschen am Leben.

Wein ist Getränk, aber nicht nur ein Getränk, das den Durst löscht, wie das Wasser. Wein hat Duft und klare Schönheit. Er will des Menschen Herz froh machen, nicht um den Menschen zu berauschen, sondern um ihn mit Freude zu erfüllen.

Jesus wählt Brot und Wein, um sich beim Messopfer mit den Menschen zu vereinigen.

Die Flamme

Ich sitze müde und in Gedanken versunken in unserem Wohnzimmer. Meine Frau kommt herein, geht zum Kamin und entzündet dort ein Feuer. Die Flammen flackern und lodern empor, das Holz knistert, es wird hell und warm im Raum. Und es wird auch hell und warm in mir.

In jedem von uns sollte ein Feuer brennen, das aufwärts strebt wie die Flamme des Feuers. Es soll unsere Mitmenschen beleben und beseelen, soll ihnen Licht und Wärme spenden, wenn es in ihnen kalt und dunkel ist.

In der Kirche brennt am Altar bei Tag und bei Nacht eine Flamme, das "Ewige Licht". Sie soll uns sagen, das Gott im Altar gegenwärtig ist, aber sie soll auch Symbol sein für unsere Seele. So wie das Licht dort ununterbrochen brennt, so soll auch in unserer Seele das Licht der Liebe niemals erlöschen.

Die Kerze

Die Kerze ist ein Gleichnis, schön und stark vor vielen. Gewiss hast du es schon oft empfunden.

Sieh, wie sie auf dem Leuchter steht! Breit und schwer ruht der Fuß; sicher ragt der Schaft. Leise verjüngt sich ihre Gestalt, fest geformt, so hoch sie auch ragt. So steht sie im Raum, schlank, in unberührter Reinheit und doch warm getönt ihre Farbe.

Oben schwebt die Flamme. Und darin verwandelt die Kerze ihren reinen Leib in warmes, strahlendes Licht.

Fühlst du vor ihr nicht etwas ganz Edles erwachen? Sieh doch, wie sie steht, ohne Wanken auf ihrem Platz, hoch aufgerichtet, rein und adelig. Spüre, wie alles an ihr spricht: "Ich bin bereit!" Wie sie steht, wo es gilt, vor Gott. Nichts an ihr flieht, nichts biegt aus, alles ist klare Bereitschaft.

Und sie verzehrt sich in ihrer Bestimmung unaufhaltsam zu Licht und Glut.

Du sagst vielleicht: "Was weiß die Kerze davon? Sie hat doch keine Seele."

So gib du sie ihr!

Lass sie zum Ausdruck deiner Seele werden! Lass vor ihr alle edle Bereitschaft erwachen: "Herr, hier bin ich!" Dann empfindest du ihr schlankes, reines Dastehen als Ausdruck deiner eigenen Gesinnung. Lass all deine Bereitschaft zur rechten Treue erstarken. Dann fühlst du "Herr, in der Kerze dort steh ich vor Dir!"

Laufe deiner Bestimmung nicht weg! Frag nicht immer nach Warum und Wozu! Es ist der tiefste Sinn des Lebens, sich in Wahrheit und Liebe für Gott zu verzehren, wie die Kerze in Licht und Glut.

(nach Romano Guardini: Von heiligen Zeichen)

Das Weihwasser

Geheimnisvoll ist das Wasser, ganz rein und schlicht, ganz anspruchslos, als wolle es für sich selbst nichts bedeuten. Selbstlos, bereit rein zu waschen, was beschmutzt ist, und zu erquicken, was dürstet.

Und zugleich ist es unergründlich, ruhelos, voller Rätsel und Gewalt, niederlockend in den Untergang. Es ist ein Gleichnis der geheimnisvollen Urgründe, aus denen das Leben strömt und der Tod ruft. Es ist ein Gleichnis des Lebens selbst, das so klar scheint und so rätselhaft ist.

Die Kirche macht das Wasser zum Gleichnis und Träger des göttlichen Lebens, der Gnade.

Aus der Taufe sind wir einst als neue Menschen hervorgegangen, "wiedergeboren aus dem Wasser und dem Heiligen Geist".

Und mit "heiligem Wasser", dem Weihwasser, benetzen wir im Kreuzzeichen Stirn Brust und Schultern, mit dem Ur-Element, dem Rätselhaften, Klaren, Schlichten und Fruchtbaren, das ein Sinnbild des übernatürlichen Lebenselementes, der Gnade ist.

In der Weihe hat die Kirche das Wasser rein gemacht, rein von den dunklen Gewalten, die in ihm schlummern. In der Natur, in all ihrem Reichen und Schönen, ist auch das Böse, das Dämonische. Viele Menschen haben die Verbindung zur Natur verloren und haben  keinen Sinn mehr dafür, aber die Kirche weiß darum und macht das Wasser rein, weiht es und bittet Gott, dass Er es zum Mittel Seiner Gnadenkraft mache.

Wenn der Christ sich mit dem Heiligen Wasser segnet, ist es wie eine leise Erinnerung an jenes heilige Wasser, aus dem er in der Taufe zum Licht Christi hervorgegangen ist. In diesem Brauch begegnen sich die erlöste Seele und die erlöste Natur im Zeichen des Kreuzes.

(nach Romano Guardini: Von heiligen Zeichen)

Die Pforte zur Kirche

Wozu ist wohl die Pforte da? Damit man aus- und eingeht, meinst du? Dazu brauchst du keine Pforte, ein Loch genügt, ein Verschlag von Brettern zum Zumachen würde auch reichen.

Die Pforte, durch die wir in die Kirche eintreten, bedeutet mehr. Sie will dir sagen, dass du das Draußen verlässt und in etwas Besonderes eintrittst.

Draußen ist die Welt mit ihrem kräftigen Leben, mit all ihrem Lärm, mit ihren  Schönheiten wie auch mit dem Hässlichen und Niedrigen. Jeder läuft in ihr herum, macht sich dort breit. Durch die Pforte treten wir in ein Drinnen, ein stilles, geweihtes Heiligtum.

Auch in der Welt kann uns Gott begegnen, zweifellos ist er auch da. Trotzdem haben die Menschen von je her bestimmte Orte für Gott ausersehen und geweiht.

Wenn du durch die Pforte in die Kirche trittst, hör auf ihre Worte. Lass draußen, was nicht hinein gehört: deine Gedanken, Wünsche, Sorgen, Eitelkeit ...

Wirf alles Kleine ab, öffne dich für das Heilige und werde selbst zum lebendigen Haus Gottes.

(nach Gedanken von Romano Guardini: Von Heiligen Zeichen)

Heiliger Raum

„Mose, komm nicht näher, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden!" - Exodus 3,5

„Der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden", daran dachten auch die Menschen früherer Zeiten, wenn sie ein Gotteshaus betraten.

Ich gehe in die Kirche für den Sonntagsgottesdienst und knie mich in eine Bank, um mich ein bisschen zu sammeln und auf die Messe einzustimmen, um vielleicht auch noch ein paar persönliche Gedanken los zu werden. Aber das ist leider nicht möglich. Rund um mich her wird geschwätzt und gelacht. Ich komme mir vor, als wäre ich in einem Wirtshaus. Erst wenn der Messdiener an der Glocke zieht und der Priester den Altarraum betritt, werden die Gespräche von der Orgel übertönt und verstummen.

Als Kind bin ich oft mit meiner Oma in die Kirche gegangen. Auch außerhalb der Gottesdienstzeiten bewies sie ihre Ehrfurcht vor dem heiligen Raum. Sie machte im Mittelgang eine tiefe Kniebeuge und gab mir ihre Erklärungen nur im Flüsterton.

„Wenn das rote Licht an der Seite des Altars brennt, dann ist Gott im Tabernakel gegenwärtig", sagte sie.

Und sie erläuterte mir auch die Gesetzmäßigkeiten des heiligen Raumes.

Jeder Raum hat drei Dimensionen, Länge, Breite, Höhe.

Die Länge der Kirche ist in Ost-West-Richtung gebaut. Der heilige Raum soll die ersten Strahlen der Sonne empfangen, die Sonne scheint den ganzen Tag durch die Seitenfenster hinein und die letzten Strahlen des Lichtes erreichen ihn auch noch.

Der Altar im Osten sagt uns: Mit Christus, der in der Wandlung auf dem Altar gegenwärtig wird, ging für uns die Sonne auf. Er ist das Licht der Welt.

Auch die Breite des Raumes sagt uns etwas, darum wurde das Messbuch vor dem Evangelium von Süden nach Norden gebracht. (Heute nicht mehr.)

Aus dem warmen Süden kam für uns das heilige Wort in den kalten und dunklen Norden, um uns die Wärme Gottes und das Licht zu bringen.

Die dritte Richtung, die Höhe von oben nach unten oder von unten nach oben wird angedeutet, wenn der Priester Schale und Kelch erhebt, um Gottes Segen darauf herab zu erbitten.

Wir blicken auf zu Gott und er sendet seinen Segen zu uns herab. Wir wissen zwar, dass Gott allgegenwärtig, also über, unter, vor, hinter und neben uns ist, aber wir ordnen ihn in unserer Gedankenwelt nicht nur geistig, sondern auch räumlich über uns ein.

Je mehr der Mensch sich zum Geschäftsmann und Manager entwickelt, desto weniger Interesse hat er an den heiligen Räumen. Kirchen werden für den Gottesdienst geschlossen und „sinnvoll“ eingesetzt als Tagungsräume, Gastwirtschaften oder sogar als Moscheen, weil sie so durch Verkauf oder Vermietung Geld einbringen.

Unsere Vorfahren, die oft mit Mühe und Entbehrungen diese Gotteshäuser erbaut und Gott zu Ehren ausgeschmückt und erhalten haben, würden sich wahrscheinlich im Grabe herumdrehen, wenn sie sehen könnten, wie wir ihr Erbe verwalten!

Wie können wir die heiligen Räume, die einmal Gott geschenkt und geweiht wurden,  von IHM zurückfordern und entweihen?

Wie können wir die dem Gott der Christen geweihten Räume sogar an eine Religion verkaufen, die das Gebot der Nächstenliebe nicht kennt und im Namen ihres Gottes und ihres Propheten Terror und Tod verbreitet?

Von der Ehrfurcht

"Die Kirche hat Raum für immer neue Formen des Gebetes, vorausgesetzt, dass sie aus ihrem Geiste kommen und sich in ihre Ordnung einfügen."

Diesen Satz sagte Romano Guardini einmal und ich finde besonders den letzten Teil sehr wichtig. "...dass sie sich in ihre Ordnung einfügen."

Im Gottesdienst sollte unsere Ehrfurcht vor Gott zum Ausdruck kommen. Leider aber fehlt diese Ehrfurcht  heute oft in der Haltung vieler Gläubiger, manchmal sogar bei den Priestern. (Oder ist es vielleicht ein Zeichen von Ehrfurcht, wenn der Priester während der Messe Kaugummi kaut?)

Meiner Meinung nach ist Ehrfurcht vor Gott eine Hauptvoraussetzung für ein gutes Gebet. Was aber ist Ehrfurcht?

Im christlich orientierten Großen Herder kann man die Definition lesen: "Ehrfurcht ist eine dem Menschen eigene urtümliche Scheu vor dem Numinosen (auf Gott Bezogenen) und vor dem Schönen und Hohen. Die Ehrfurcht als Ehrfurcht vor dem Menschen ist höchste Bestätigung des Menschseins. Sie wird durch Bildung und Erziehung gefördert."

Im Psychologischen Wörterbuch heißt es: "Der Mensch besitzt die Ehrfurcht als sittliche Gesinnung und Haltung der Achtung und Verehrung auf außer ihm liegende echte Größen."

Das Wort Furcht hat - wie viele Wörter - eine Wandlung erfahren.

In früheren Zeiten sagte man: "Ich fürchte diesen Menschen!", und meinte damit: "Ich achte ihn, ich schaue zu ihm auf. Er ist mir ein Vorbild."

Ehrfurcht war Furcht, also Achtung vor der Ehre des Anderen.

Wenn ich heute sage: "Ich fürchte diesen Menschen!", dann will ich damit sagen: "Ich habe vor diesem Menschen Angst. Er kann mir schaden."

Die Wandlung des Wortes Furcht hat auch die Ehrfurcht abgewertet. Wie kann ein furchtloser Mensch ehrfürchtig sein? Kinder sollen zur Furchtlosigkeit erzogen werden. Wie kann ich sie dann zur Ehrfurcht oder Gottesfurcht erziehen?

Vielleicht sollten wir versuchen, ein neues Wort für "Ehrfurcht" zu finden. Auf jeden Fall aber müssen wir lernen, zwischen der Angst vor Gott und den Menschen und der Achtung vor Gott und seiner Schöpfung zu unterscheiden.

Wenn wir beten, sollen wir nicht vergessen, dass Gott so groß ist. Wir müssen seine hohe Ehre erkennen und anerkennen. Auch unseren Kindern kann man diese Achtung vor Gott in der richtigen Weise erklären, dann werden sie bestimmt verstehen, dass sie sich in der Kirche anders verhalten müssen als auf dem Spielplatz.

Wenn wir beten, sollen wir es ehrfürchtig tun, das heißt, nicht kriecherisch und ängstlich besorgt, sondern mit erhobenem Haupt, freudig und stolz darauf, dass wir den großen Gott "Vater" nennen dürfen.

Vom Schreiten

Das Wort "Schreiten" findet man im deutschen Sprachgebrauch kaum noch. Viele Kinder fragen: Was ist das?

Schreiten ist ruhige Bewegung, kein Eilen und Laufen, kein Schleichen, sondern starkes Voran. Der Schreitende geht federnd, frei aufgerichtet, im festen Gleichmaß.

Im Hause des Herrn sollten wir schreiten, wissend und ehrfürchtig. Auch in einer Prozession sollten wir uns auf diese andächtige Art bewegen. Wie oft sieht man bei so einem Gottesgang ein zuchtloses Geschiebe, ein verdrossenes Sich-Hinschleppen und Herumgaffen.

Buß- und Bittgänge könnten durch ruhiges und sicheres Schreiten zu leibhaftigem Gebet werden. Die aufrechte Gestalt ist des Menschen alleiniges Vorrecht. Aufrecht schreiten heißt Mensch sein.

(Gedanken nach "Guardini: Von heiligen Zeichen")

Das Stehen

Wir haben davon gesprochen, dass Ehrfurcht vor dem unendlichen GOTT eine bestimmte Haltung fordert. ER ist so groß und wir sind vor IHM so gering, dass dieses Wissen sich auch äußerlich kund tut: Es heißt uns niederknien.

Die Ehrfurcht kann sich aber auch anders offenbaren. Denke, du sitzest , ruhst oder plauderst. Da kommt jemand, der dir ehrwürdig ist, und wendet sich an dich. Sogleich würdest du aufstehen und in aufrechter Haltung hören und antworten. - Was bedeutet das?

Das Stehen bedeutet vor allem, dass wir uns zusammennehmen. Statt der gelösten Haltung des Sitzens nehmen wir eine beherrschte, straffe an. Es bedeutet, dass wir aufmerksam sind. Im Stehen liegt etwas Gespanntes, Waches. Und endlich bedeutet es, dass wir bereit sind; denn wer steht, der kann sofort auf und davon gehen. Er kann ungesäumt einen Auftrag ausführen, eine Arbeit anfangen, sobald sie ihm zugewiesen wird.

Dies ist die andere Seite der Ehrfurcht vor GOTT. Im Knien war es die anbetende, in Ruhe verharrende,  hier die wache, tätige. Solche Ehrfurcht hat der aufmerksame Diener, der gerüstete Krieger. Sie offenbart sich im Stehen. Wir stehen auf, wenn die frohe Botschaft ertönt beim Evangelium in der Heiligen Messe. Es stehen die Taufpaten, wenn sie an Stelle des Kindes das Gelöbnis der Glaubenstreue ablegen. Es stehen die Kinder, wenn sie bei der Erstkommunion dieses Taufgelübde erneuern. Es stehen die Brautleute, wenn sie sich vor dem Altar durch das Wort der Treue zur Ehe verbinden. Und so stehen wir noch bei manchen anderen Handlungen.

Zuweilen kann man nicht recht knien, man fühlt sich beengt dabei. Da tut das Stehen gut, es macht frei. Aber das rechte Stehen! Auf beiden Füßen ohne sich aufzustützen. Mit geraden Knien, keines lässig gebogen. Aufgerichtet und beherrscht.

Im rechten Stehen strafft sich das Gebet und wird frei zugleich, in Ehrfurcht und Tatbereitschaft.

(nach Romano Guardini: Von heiligen Zeichen)

Das Knien

Was tut wohl einer, wenn er hochmütig wird? Dann reckt er sich, hebt Kopf und Schultern und die ganze Gestalt. Alles an ihm spricht: "Ich bin größer als du! Ich bin mehr als du!"

Ist aber jemand demütigen Sinnes, fühlt er sich klein, dann neigt er den Kopf, dann senkt sich seine Gestalt. Er erniedrigt sich und zwar um so tiefer, je größer der ist, der vor ihm steht, je weniger er selbst in seinen eigenen Augen gilt.

Wo aber spüren wir deutlicher, wie wenig wir sind, als wenn wir vor GOTT stehen? Der große GOTT, der gestern war wie heute und nach hundert und tausend Jahren. Der dieses Zimmer erfüllt, die ganze Stadt, die ganze Welt und den unermesslichen Sternenhimmel. Alles ist vor IHM wie ein Stäubchen.

Der heilige GOTT, rein, gerecht und von unendlicher Hoheit... wie ist ER groß... und ich so klein! So klein, dass ich mich überhaupt nicht vergleichen kann, dass ich ein Garnichts bin vor IHM.

Dann kommt es einem ganz von selbst, dass man vor IHM nicht stolz dastehen darf. Man wird klein, man möchte seine Gestalt niedriger machen, damit sie nicht so anmaßend dastehe. Und siehe, schon ist die Hälfte ihrer Höhe geopfert, der Mensch kniet. Und die gesenkte Gestalt spricht: "DU bist der große GOTT, ich aber bin ein Nichts!"

Wenn du dein Knie beugst, lass es kein hastiges, leeres Geschäft sein. Gib ihm eine Seele! Die Seele des Kniens aber ist, dass auch inwendig das Herz sich in tiefer Ehrfurcht vor GOTT neige.

Wenn du in die Kirche kommst oder hinausgehst oder am Altar vorbeigehst, knie nieder, tief, langsam - und dein ganzes Herz mit. Und dabei soll es sprechen: "Mein großer GOTT!" Das ist dann Demut und ist Wahrheit. Und jedes Mal wird es deiner Seele gut tun.

(aus Romano Guardini: Von heiligen Zeichen)

Viel Spaß beim weiteren Stöbern auf meinen Seiten!

Zurück zum Anfang der Seite