Ungereimte Gedichte   2008

 

Nachtwanderung

Vor mir der zunehmende Mond
liegt einer goldenen Schale gleich
im dunkelblauen Samt des Himmels,
umgeben von einem glänzenden Muster
aus unzählbaren, hellen Sternen.

Der Bodennebel breitet Watte
über die feuchten Wiesen im Bruch.
Jetzt wende ich mich zum Wald;
wie freundliche Riesen winken
die kahlen Bäume mir zu.

Rote Lichter blinken rhythmisch
grell im Halsband meines Hundes,
der meine Nähe sucht im Dunkeln.
Kalte Luft schenkt mir Erfrischung.
Mein Atem steht vor mir wie Rauch.

Felder, nur am Wegrand Bäume.
Sacht streift mich einer Weide Ast
und zeigt mir ihre ersten Kätzchen.
Zwischen den Hecken und Sträuchern
schimmern die Lichter der Siedlung.

Schemenhaft sehe ich mein Dach.
Die Lampe auf meiner Terrasse leuchtet.
Mein Hund beschleunigt seine Schritte.
Bald umfängt uns die Wärme
meines behaglichen Hauses.

12. Februar 2008

 

 

Trostlosigkeit

Ich suche nach Freude,
nach Worten von Glück und Frieden,
aber ich kann sie nicht finden.

Ich will heraus aus meinem Tief,
aus meinen Depressionen,
aber niemand hilft mir,
niemand sagt ein Wort,
das mich tröstet und aufbaut.

Alle sprechen nur von Unglück,
von Tod und Selbstverletzung,
von Krieg und Gewalt ...

Ich suche einen Engel,
der von Liebe und Treue spricht,
der Frieden in mein Herz senkt,
der mir den Glauben wiederbringt,
dass es das Gute noch gibt.


26. Februar 2008

 

 

Armer reicher Junge

Du stehst nach Schulschluss einsam vor der Villa,
den Haustürschlüssel trägst du in der Tasche.
Kein Mensch empfängt dich, freut sich auf dein Kommen.
Du knallst die Tasche vor die Flurgarderobe,
trittst in die elegante Einbauküche.
Im Kühlschrank steht für dich ein Fertigessen.
Du schiebst es lustlos in die Mikrowelle
und denkst an Ingo, der dir stolz erzählte,
dass seine Mutter ihm zu Liebe heute
Spinat mit Spiegeleiern zubereitet.

Warum ist deine Mutter nicht zu Hause?
Und wenn sie heimkommt, ist sie schwer gestresst.
Du darfst ihr keine „dummen Fragen“ stellen,
darfst nicht erzählen, was du heut erlebtest.
Nähm sie dich einmal doch in ihre Arme!
Du würdest auf dein Taschengeld verzichten,
wenn sie dich ihre Liebe spüren ließe.
Doch nicht der Sohn ist wichtig, nur das Geld,
das Geld, das deine Eltern täglich scheffeln,
um auszugeben es - standesgemäß.

Der Sommer naht und mit ihm kommt der Urlaub.
Reiseprospekte liegen schon im Hause.
Australien? Neuseeland? Oder Japan?
Du wirst natürlich nicht mit eingeplant!
Was soll man sich mit einem Kind belasten?
Man will ja schließlich seine Zeit genießen!


Ob deine Eltern wohl verstehen können,
dass du dich ehrlich freust auf diese Tage?
Zeltlager, Spiele, gute Kameradschaft,
drei Wochen Freiheit, wunderbare Zeit.

31. Mai 2008

 

 

Ein Sommertag

Über Sand und weiße Kiesel
hüpft geschwind der Silberbach.
Neben ihm lieg ich im Grase,
schau zum lichten Himmel hoch.

Auf dem flachen Stein am Ufer
in der Sonne sitzt ein Frosch.
Würzig von der warmen Erde
steigt der Duft von Gras und Kraut.

Ringsumher erblühen Blumen,
Löwenzahn und Hahnenfuß,
Margeriten, Gänseblümchen,
Ehrenpreis, Vergissmeinnicht.

Leise klingt vom nahen Walde
Vogelsang und Windesraunen.
Neben mir im Gras die Grille
stimmt in das Konzert mit ein.

Kleine, weiße Wolken ziehen
über mir durchs helle Blau.
Sommer, so dich zu erleben,
wünsch ich mir noch manches Jahr.

31. Juli 2008

 

 

Lichtblicke im November

Der Herbst zieht durch das Land und färbt die Blätter.
Rot-golden leuchten sie von ihren Zweigen.
Der graue Himmel schickt uns Sturm und Regen.
Die Bäume neigen seufzend sich im Winde.

Der Friedhof zeigt noch einmal viele Farben.
Die Gräber werden liebevoll verschönert
mit Kränzen und Gestecken, hellen Blumen
und roten Lichtern, die im Dunkeln leuchten.

Sankt Martin reitet wieder auf dem Schimmel.
Den roten Mantel wird er gleich zerteilen.
Mit farbenfrohen Fackeln ziehn die Kinder
durch das geschmückte Dorf zum Marktplatz hin.

Hoch lodert golden-rot das Martinsfeuer.
Die Kinderaugen blicken jetzt zum Himmel,
das Martins-Feuerwerk dort zu bewundern,
eh’ sie nach Hause gehn mit ihren Fackeln.

Der Winter kommt mit seinen kurzen Tagen,
die Dunkelheit versucht uns zu erdrücken.
Doch der Advent stellt ihm sein Licht entgegen.
Bunt strahlen Weihnachtsbäume in den Straßen.

11. November 2008

 

Farewell

Lebewohl – Abschied
ohne Wiederkehr.

Blau – ist die Farbe
der Gelassenheit,
der unendlichen Ferne,
der Ruhe und Sehnsucht,
des klaren Himmels,
des weiten Meeres,
des Grenzenlosen ...

Dann kommt der Nebel,
er hüllt mich ein,
nimmt mir die Klarheit,
bedrückt und ängstigt mich.
Wie lange noch
wird es mir gelingen,
ihn zu vertreiben,
mir wieder klare Sicht
in die Ferne zu schaffen?

Lebt wohl, Freunde!
Ich fühle, dass der Abschied
ohne Wiederkehr
nicht mehr weit ist. 

28. Dezember 2008

 

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