Ungereimte Gedichte   2006 - 2007

 

Halali

(Satire)

 

Im Frühjahr fährt ein Traktor

in unser Naturschutzgebiet.

Er zieht einen großen Hänger

auf dem ein Käfig steht.

 

Hunderte kleiner Vögel

entlässt man in Wald und Feld,

Rebhühner und Fasanen,

kaum ihren Eiern entschlüpft.

 

Kopflos spazieren die Kleinen

in Scharen durch das Bruch.

Selbst zu Menschen mit Hunden

laufen sie zutraulich hin.

 

Einige Stellen im Walde

dienen als Futterplatz.

Mehrmals in jeder Woche

gibt’s einen Eimer voll Mais.

 

Endlich sind sie erwachsen,

herbstlich färbt sich der Wald,

und nun kommen die Jäger.

Herbstjagd! Ein herrlicher Sport!

 

Fliegend muss man sie treffen,

doch nicht zu hoch darf es sein,

drum mischt in das letzte Futter

zum Mais man Rosinen hinein.

 

Auf, auf, ihr Hunde, nun jagt sie!

Sie müssen vom Boden hoch!

Sobald sich die Vögel erheben,

knallen die Büchsen los.

 

Drei Tage jagen die Jäger

mordgierig das zahme Wild.

Stolz schmücken sie ihre Beute

mit einem Tannenzweig.

 

Es lebe das edle Waidwerk!

Ein Jäger müsste man sein!

Wie herrlich, das Wild zu erjagen!

Halali, Waidmannsheil, halali!

 

4. November 2006

 

 

Vier Kerzen im Advent

 

Vier Kerzen stehen auf meinem Kranz.

Sie zeigen in die vier Himmelsrichtungen.

 

Die erste Kerze leuchtet zum Süden.

Auf der südlichen Halbkugel unserer Erde

herrschen Krankheit, Hunger und Gewalt.

Lasst uns bedenken, wie gut es uns geht,

und dankbar mit den Ärmeren teilen.

 

Die zweite Kerze leuchtet nach Norden.

Aus dem Norden kommt die Eiseskälte.

Die Herzen vieler Menschen sind kalt.

Wir müssen sie mit dem belebenden Feuer

der Nächstenliebe durchdringen und wärmen.

 

Die dritte Kerze leuchtet im Westen.

Dort geht am Abend die Sonne unter.

Das Licht der Kerze soll uns dazu helfen

Die Mächte der Finsternis zu vertreiben

und uns im klaren Licht zu erhalten.

 

Die vierte Kerze weist nach Osten.

Das ist die Gegend des Sonnenaufgangs.

Im Menschen lebt seit Ewigkeiten

die Sehnsucht nach der aufgehenden Sonne,

die Hoffnung, das ewige Licht zu erlangen.

 

Möge in einer besinnlichen Weihnacht

die Fülle des Lichts in uns allen erstrahlen. 

 

28. November 2006

 

 

Liebe dein Leben

 

Suchst du den Weg, dein Leben gut zu leben,

dann lerne, es zu lieben, wie es ist.

Es ist ein Fluss, der ständig sich bewegt,

und unaufhaltsam in die gleiche Richtung fließt.

Nur vorwärts gehst du. Es gibt kein Zurück.

Du kommst vom Ursprung, von der Quelle,

wo du zuerst das Licht der Welt erblickt,

und gehst zur Mündung, deinem Ziele zu,

wo dich im Tod das große, stille Meer

der Ewigkeit empfangen wird.

 

An deinem Wege rechts und links

gibt es viel Schönes und viel Hässliches.

Du siehst es und du kannst entscheiden,

wie weit du dich befassen willst damit,

ob diese Dinge dich behindern, stören,

erfreuen oder auch bereichern können.

Doch auch den Schmutz musst leider du ertragen.

Nicht immer kannst du ihm geschickt entgehen,

wenn du an ihm vorbei getrieben wirst

und dich von ihm besudeln lassen musst.

 

So wie die Menschen unsere Flüsse schänden,

so wird auch vieles auf dich abgewälzt,

was deinem Leben furchtbar schaden kann.

Lass dich davon nicht irre machen;

denn wie ein Fluss sich selbst vom Unrat reinigt

und sich regeneriert zu klarem Leben,

so kannst auch du mit deinem eignen Willen,

stets wieder säubern deinen Lebensfluss,

kannst von dir werfen, was dich nur belastet,

und unbeirrt dem Ziel entgegen streben.

 

Nur eines ist entscheidend für den Weg.

Du musst dein Leben immer lieben.

Es muss dir stets unendlich kostbar sein,

dass du darauf bedacht bist, es zu pflegen,

gesund und kraftvoll es dir zu erhalten.

Behüte es, wirf es nicht achtlos fort!

Du hast nur eines und es kommt nie wieder.

Nimm alles Schöne auf mit offenen Augen.

Nimm alles Gute auf mit offenem Herzen

Und sei für jede Stunde dankbar, die du lebst.

 

Sag deinem Feind unmissverständlich offen,

dass du den Weg nicht mit ihm gehen willst,

den er dir lockend zeigt, um dir damit zu schaden.

Behalt dein Leben lieb zu jeder Zeit

und habe stets den Mut, du selbst zu sein.

 

2. Dezember 2006

 

 

Zwei Welten

 

Dem Menschen sind im Leben

zwei Welten zur Wahl gestellt.

In der einen lebst du mit Schmerzen und Sorgen

als Sklave der Schatten, kommst niemals zum Licht.

 

In unerreichbarer Ferne scheint

die zweite Welt,  die du begehrst.

Dort lebst du im Lichte der Liebe,

ein jeder der Engel des Nächsten.

 

Gewaltig hoch ist die Mauer

die diese zwei Welten trennt.

Das einzige Tor ist verriegelt

mit einem Bannspruch belegt.

 

Den Zauber des Schlosses löst nur

die Kraft deiner guten Gedanken.

Hast Du das Geheimnis gefunden,

tritt schnell in die andere Welt.

 

Lass Ängste und Qual auf der Schwelle,

damit sie die Geister bannen.

Schau nicht mehr zurück ins Dunkel,

dann bleibst Du geborgen im Licht.

 

Horche auf und erkenne

die Melodie deines Lebens.

Hast du sie einmal gefunden,

kommst du mit ihr zum Ziel.

 

14. März 2007

 

 

Dein Lebensweg

 

Du wirst in diese Welt hinein geboren

und niemand hat gefragt: Bist du bereit,

den Weg, der vor dir liegt, auf dich zu nehmen,

das Ziel, das dir bestimmt ist, anzustreben?

 

Du bist ein Mensch zu viel auf dieser Erde.

Die dich gezeugt, sie dachten nur an sich.

Du bist für sie die Last, die sie nicht wollten.

Nach Liebe sehnst du dich, bekommst sie nicht.

 

Hilflos, auf andre Menschen angewiesen

beginnst du zögernd deinen Weg zu finden.

Wo ist die Hand, die du ergreifen könntest?

Wo ist ein Arm, der liebevoll dich stützt?

 

Kaum kannst du erst auf eignen Füßen stehen,

bist du allein. Kannst du dich selbst erheben,

wenn du in tiefen Sumpf gestoßen wurdest?

Du musst, denn niemand geht an deiner Seite.

 

So wirst du groß und manchmal kommt ein Fremder,

der eine kurze Strecke mit dir wandert.

Zuwendung fühlst du, willst sie dir erhalten,

doch jeder Freund verlässt dich unerwartet.

 

Und wirst du alt, sind alle deine Taten

Vergangenheit. Doch dann kommt ein Gefährte,

der wieder Mut dir macht, der dich begleitet

und der dir sagt: Wir brauchen dich! Bleib hier!

 

Du bist in diese Welt hineingeboren

und irgendwann wirst du sie auch verlassen.

Du warst ein Mensch zu viel auf dieser Erde.

Wen kümmert es, wo du geblieben bist?

 

5. Juli 2007

 

 

Gefühllos

 

Als ich ein Kind war,

sagte sie mir,

ich wäre ein Mensch

zu viel auf dieser Welt.

 

Wenn ich weinte,

schlug sie mich,

damit ich einen Grund hätte

für meine Tränen.

 

Sie liebte ihren Sohn,

er war hübsch und klug,

er war kein hässliches,

dummes Mädchen.

 

Kaum verdiente ich Geld,

hielt sie mir vor,

dass ich ihr alles verdankte,

und forderte ihren Anteil.

 

Ich habe sie begraben.

Ihr Sohn kümmerte sich nicht.

Ich stehe an ihrem Grab

und habe keine Tränen.

 

17. September 2007

 

 

Dein fremdes Gesicht

Du lagst zwischen Blumen und Kränzen.

Zwei Kerzen auf goldenen Leuchtern

warfen ihr flackerndes Licht

auf deine stille Gestalt,

auf dein Gesicht, das so anders,

so fremd mir plötzlich erschien.

 

Ich wartete noch auf dein Lächeln,

dein freundliches Wort zur Begrüßung.

Aber dein Mund blieb geschlossen,

unnahbar ernst dein Gesicht;

weiß war es, kalt wie Marmor,

was warm und rosig sonst war.

 

Wenn einst in dein Zimmer ich eintrat,

sahst du erwartungsvoll zu mir.

Dann leuchteten deine Augen,

blau wie Vergissmeinnicht.

Sie sind für immer geschlossen,

schauen mich niemals mehr an.

 

Auf meinem Schreibtisch das Foto,

zeigt dich noch, wie ich dich kannte.

Lächelnd blickst du mich an,

hältst die Erinnerung wach.

Doch oft erscheint mir daneben

dein anderes, fremdes Gesicht.

 

12. Dezember 2007

 

Monatssieger Dezember 2007 - Autorenforum SpruchReif

 

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