Gereimte Gedichte   2008 - 1. Teil

 

Gerettet

 

Weiß hat der Raureif gefärbt die Welt,

der Ostwind bläst scharf durch Wiesen und Feld.

Das Wild sucht Futter im kahlen Wald

und hört, wie in Feldern und Wiesen es knallt.

 

Der Winter ist nicht der schlimmste Feind,

die Jäger sind wieder zur Treibjagd vereint.

Mit Lärm und Geschrei zieh’n hinaus sie zur Jagd.

Fasanen zu schießen ist heut angesagt.

 

Die Meute bellt und die Schüsse knallen,

schon sieht man die toten Vögel fallen.

Und springt ein Kaninchen erschrocken auf,

dann hat es ein Jäger gleich vor dem Lauf.

 

Am Weg im Gebüsch hat ein Hahn sich versteckt.

Noch haben die Jäger ihn nicht entdeckt.

Und plötzlich sehe ich noch fünf Hennen,

die geradewegs in die Sträucher rennen.

 

Nun muss der Hahn, der sich hier verborgen,

auch noch für den ganzen Harem sorgen.

Schnell überqueret die Straße er;

die Hennen laufen hinter ihm her.

 

Ich brauche nicht mehr lange zu warten.

Die Vögel stolzieren in meinen Garten.

Hier sehen die wilden Jäger sie nicht,

denn meine Hecke nimmt ihnen die Sicht.

 

Der Goldfasan und seine fünf Frauen

können jetzt meinen Garten beschauen.

Am Fliederbaum sehen sie die Meisen

und Finken, die gerade ihr Frühstück verspeisen.

 

Sehnsüchtig und hungrig schau’n sie hinauf.

Da plötzlich taucht eine Amsel auf.

Sie scharrt und kratzt wie wild in dem Haus

und ringsherum fliegen die Körner heraus.

 

Die Hennen und auch ihr prächtiger Hahn

fangen gleich eifrig zu picken an.

Für heute sind sie dem Tode entronnen

und haben sogar noch Freunde gewonnen.

 

27. Januar 2008

 

 

Toleranz

(Satire)

 

Gesetze soll’n die Spießer halten!

Ich lasse mein Gefühl nur walten.

Warum auf andre Rücksicht nehmen?

Zu guten Sitten mich bequemen?

 

Wenn ich die Sau rauslassen will,

seid tolerant und haltet still.

Wenn ich ein Mädchen kess betatsche,

ein kleines Kind zieh durch die Matsche,

seid tolerant und lasst mich machen!

Ich habe Spaß an solchen Sachen.

 

Und fragt mich mal ein alter Knabe,

wo meine Toleranz ich habe,

dann spucke ich ihm ins Gesicht.

Nein, tolerant sein muss ich nicht.

 

Integration bekommt mir schlecht.

Es ist doch wohl mein gutes Recht,

als Individualist zu leben.

Ich will stets nehmen, niemals geben.

 

Ich brauch nicht tolerant zu sein,

ich ford’re Toleranz nur ein.

 

5. Februar 2008

 

 

Dichterische Freiheit

(Satire)

 

Geschneegeregnet hat es drauß,

der Himmel, er war kaum besternt,

drum kam vom Wald ich schnell nach Haus

und dachte nach, was ich gelernt.

 

Interpunktion und Rechtschreibum

kann jeder machen, so zu sagen,

als Dichters geistiges Eigentum,

wie es ihm grad passt in den Kragen.

 

Und bist du richtig mal auf Touren,

schreib frei drauf los, setz Zeichen hin,

nenn deine Fehler Stilfiguren,

wie es dir heut kommt in den Sinn.

 

Auch selbst geschaffene Wörter springen,

jetzt fröhlich über Hut und Schnur;

denn schließlich muss der Reim ja klingen,

dann ist es echte Literatur.

 

Ihr lieben Kinder, lernet dichten!

Warum geht ihr zur Schule noch?

Nach Duden müsst ihr euch nicht richten.

Des Dichters Freiheit, lebe hoch!

 

5. Februar 2008

 

 

Frühlings Erwachen

 

Die Frühlingsstürme rütteln an den Bäumen;

sie zerren auch das letzte welke Blatt

vom Zweig, an den es sich geklammert hat,

um vom vergang’nen Sommer noch zu träumen.

 

Am Wegesrand erwacht das neue Leben.

Die Veilchen melden sich mit ihrem Duft,

das Scharbockskraut, es trotzt der kalten Luft,

die Gänseblümchen ihre Köpfe heben.

 

Die Amsel übt behutsam neue Weisen,

die Taube gurrt, ein Eichelhäher schreit.

Im Garten klingt das zi-zi-dä der Meisen.

 

Auch wenn es in der Nacht noch friert und schneit,

in andre Zonen muss der Winter reisen.

Der Frühling kommt, des Jahres schönste Zeit.

 

4. März 2008

 

 

Lieder der Nacht

 

Der Regen prasselt heftig an mein Fenster.

Ich schaue in die Dunkelheit hinaus.

Nur schemenhaft erscheint das Nachbarhaus.

Die kahlen Sträucher starren wie Gespenster.

 

Und drüben liegt schon auf den feuchten Wiesen

ein feenhafter Nebelschleier dicht.

Der Wald dahinter nimmt mir meine Sicht;

er steht wie eine Wand aus dunklen Riesen.

 

Ein Käuzchen fliegt herbei, es lässt sich nieder

auf Nachbars Zaun, schreit sein „Kiwitt!“ mir zu.

Der Regen tropft den Takt dazu im Flieder.

 

Vom Nussbaum klingt es dumpf: „Schuhu, schuhu!“

Die nächtliche Natur singt ihre Lieder.

Gebannt steh ich am Fenster und hör zu.

 

7. März 2008

 

 

Du und die andern

 

Hörst du die Egoisten lärmend schwätzen?

Sie fordern Rücksichtnahme, Höflichkeit.

Doch reicht ihr Anspruch immer nur so weit,

wie sie die Freiheit andrer nicht verletzen.

 

Denk stets daran, willst du in Ruhe leben:

Der andre Mensch besitzt das gleiche Recht.

Behandelst deinen Nachbarn du zu schlecht,

wird er dir niemals seine Freundschaft geben.

 

Ob du dich vornehm hier in Schweigen hüllst,

ob du dich rühmst mit protzenden Geschichten,

ob du als Boss dich fühlst und herrisch brüllst ...

 

Im Miteinander liegen deine Pflichten;

dein Nächster wartet, dass du sie erfüllst.

Du kannst dich nicht nach deinem Wunsch nur richten.

 

14. März 2008

 

 

Was ist das Leben?

(nach einem schwedischen Märchen)

 

An einem Sommertag hat sich’s begeben

am Mittag und bei hellem Sonnenschein:

Der Buchfink zwitschert in den Wald hinein:

„Geschöpfe alle, sagt, was ist das Leben?“

 

Die Rose öffnet ihre zarten Blätter.

„Entwicklung“, spricht sie, „ist des Lebens Sinn.“

Der Schmetterling fliegt taumelnd zu ihr hin.

„Leben heißt fröhlich sein bei Sonnenwetter.“

 

Die Ameise schleppt einen Grashalm schwer.

„Das Leben bringt mir Arbeit nur und Plag.“

Die Biene summt: „Für mich ist jeder Tag

Vergnügen, wenn zur Arbeit ich flieg her.“

 

Der Maulwurf stöhnt: „Ich kämpfe und ich leide

im Dunkeln in der Erde feuchter Nacht.“

„Sich neigen unter eine höh’re Macht,

das ist das Leben“, sagt die Trauerweide.

 

Der Adler ruft: „Ich strebe stets nach oben,

wo Freiheit mich und klare Luft umfängt.“

Schon hat der Tag zum Abend sich gesenkt.

Der Uhu ruft: „Die Nacht, die will ich loben.

 

Wenn andre schlafen, das ist meine Zeit.“

Die Stunden gehen und der Sonne Licht

erscheint. Die helle Morgenröte spricht:

„Das Leben heißt: Beginn der Ewigkeit.“

 

15. März 2008

 

 

Wie Katze und Hund

 

„Sie leben zusammen wie Katze und Hund“,

so hört man die Menschen spöttisch oft sagen,

wenn Nachbarn und Freunde sich nicht vertragen,

Geschwister sich schlagen so ganz ohne Grund.

 

Was hat nur die Menschen dazu bewogen,

den Hund und die Katze so schlecht zu machen?

Ich kann erzählen ganz andere Sachen.

Streit zwischen ihnen? Das ist glatt gelogen.

 

Wenn Bello schläft, will ihn Mieze nicht wecken.

Auf Samtpfoten schleicht sie dann an ihm vorbei.

Liegt sie auf dem Sofa, darf er sie lecken.

 

Sie teilen sich alles, sogar ihren Brei.

„... wie Katze und Hund“, das kann mich nicht schrecken.

Für mich heißt das Freundschaft und nicht Zankerei.

 

30. März 2008

 

 

Ich bin ich

 

Als ich ein Kind war, wünschte ich mir eines:

Ich wollt kein Mädchen sein, o nein, ein Knabe!

Dann hätt’ ich wie mein Bruder jede Gabe

an Geist und Schönheit. - Davon hatt' ich keines.

 

Als ich dann älter wurde, lernte ich erfassen:

Ich war ein Mensch zu viel auf dieser Welt,

war unerwünscht, der Sohn alleine zählt.

Trotzdem konnt’ meine Mutter ich nie hassen.

 

Ich dankte meiner Oma, meinen Tanten

und blickte fröhlich lächelnd ins Gesicht

all denen, die mich überflüssig nannten.

 

Den Weg vom Schatten fand ich hin zum Licht

trotz Schwierigkeiten, die mich übermannten.

Heut will ich nicht mehr anders sein. Ich nicht!

 

31. März 2008

 

 

Mittelpunkt der Welt

 

Der Mensch fühlt sich als Mittelpunkt der Welt.

Wie kann er Mitte sein, wenn er allein

nur Herrscher über die Natur will sein?

Wo sind die Mächte, die ihm überstellt?

 

Der Mensch ist Geist, Materie und Leben.

Materie allein ist das Gestein,

Materie und Leben sind im Sein

den Pflanzen und den Tieren nur gegeben.

 

Nimm die Materie weg, mit Geist und Leben

umgibt uns eine unsichtbare Schar.

Und reiner Geist – er stellt sich herrlich dar;

 

der Mensch hat viele Namen ihm gegeben.

Ob Manitu, ob Allah oder Gott,

gib ihm die Ehre und nicht deinen Spott.

 

14. April 2008

 

 

Gedankenfreiheit

 

Die Christen glauben an die Nächstenliebe

und dass die zehn Gebote sind von Wert.

Wobei ja selbst das Grundgesetz uns lehrt,

dass Unrecht tun die Mörder, Lügner, Diebe ...

 

Sie glauben, die Gesellschaft braucht Gesetze,

das Christentum geht unter hier im Land,

wir werden vom Islam schon überrannt

und von so mancher andren üblen Hetze.

 

Noch halten viele sich an ihren Glauben

und lassen ihn sich nicht von andren rauben.

Ein großer Geist wacht über unsre Welt.

 

Der Teufel sitzt in jenen Atheisten,

die groß sich dünken über alle Christen.

Um deren Toleranz ist ’s schlecht bestellt!

 

14. April 2008

 

 

Atheisten

 

Es gibt verschied'ne Sorten Atheisten.
Die einen lassen auch die Menschen leben,
die einen Gott zu ehren sich bestreben.
Die andren schießen ein sich auf die Christen.

Wer so verbohrt ist, kann sie nicht verlassen,
die Spur der Meinung, die er hält für wahr.
Mit ihm zu diskutieren, das ist klar,
bringt wenig Sinn. Sein Geist kann niemals fassen

des andren Meinung. Er schreit nur nach Recht.
Was ihm nicht passt, hält einfach er für schlecht,
er ist gefangen, doch er fühlt sich frei.

Ein jedes weit’re Wort ist hier vergebens.
Für mich ist Gott der Lenker meines Lebens.
Und seine guten Geister sind dabei.

 

14. April 2008

 

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