Gereimte Gedichte   2007

 

Fisch zum Obstsalat

(an einen Möchte-gern-Poeten)


Ein Mann, der Spaß am Dichten hat,

verfasst dabei oft nur Salat.
Und weil er es nicht besser kann,

fängt er zunächst mit Fischen an.


Er fischt im Trüben, irgendwo,

auch unterm Gürtel oder so,
und bietet die Rezepte an,

als wär’ er ein berühmter Mann.


Doch setzt er sich bescheiden hin

und schreibt, was echt in seinem Sinn,

dann findet man auch wahre Kunst,

nicht Fisch mit Obstsalat verhunzt.

 

Der Mann soll seine Kreationen,

die kulinarisch sich nicht lohnen

und die Gemüter nur erregen,

doch - bitte schön - bei Seite legen.

 

Aufmerksamkeit kann man erringen

am besten noch mit guten Dingen.

Man hat gezeigt, dass man es kann!

Warum dann stümpern, Mann o Mann?

 

1. Januar 2007

 

 

Frühlingsboten

 

Der Winter hat seinen Abschied genommen;

nun sind sie alle wiedergekommen.

In Wiesen, Feldern, in Wald und Garten

wollen sie froh den Frühling erwarten.

 

Das Buschwindröschen im weißen Röckchen,

die Glockenblume mit blauen Glöckchen,

die Lichtnelken leuchtend rosa und weiß,

daneben das zartblaue Ehrenpreis.

 

Ein Schneeglöckchen schickt einen lieben Gruß

hinüber zum hellgelben Hahnenfuß.

Das Gänseblümchen öffnet sein Köpfchen

und lächelt zu Rainfarns goldnen Knöpfchen.

 

Stolz reckt sich der Löwenzahn auf zum Licht;

den lila Storchschnabel sieht er heut nicht.

Krokus, Narzisse und Hyazinthen

auch schon den Weg aus den Knospen finden.

 

Die Primelchen und die Osterglocken,

alle wollen nach draußen mich locken.

In Wiesen, Feldern, in Garten und Wald

kann ich es sehen: Der Frühling kommt bald!

 

25. Februar 2007

 

 

Morgenspaziergang

 

Die Dämmerung ist kaum erwacht,

das Dorf im Schlafe liegt.

Der Morgen kämpft noch mit der Nacht,

doch weiß er, dass er siegt.

 

Wie schön ist diese stille Stunde!

So früh ist niemand hier.

Ich bin allein mit meinem Hunde

und bin allein mit mir.

 

Es knistert, ich halt ein im Schritt.

Mein Hund macht plötzlich „Sitz“.

Grad vor uns aus dem Maisfeld tritt

ein Reh mit seinem Kitz.

 

Es schaut sich um, hat uns gesehen

und flieht mit seinem Kind.

Mein Hund und ich, wir bleiben stehen,

bis sie im Walde sind.

 

Der Eichelhäher ist erwacht,

er ruft im Walde rund:

„Ihr Tiere alle, gebt fein Acht!

Ein Mensch mit einem Hund!“

 

Ein Eichhörnchen hat uns entdeckt,

es flitzt den Baum empor.

Den Buchfink hat es aufgeweckt,

er zwitschert mir was vor.

 

Der Nebel liegt wie Watte noch

dort vor dem Tannenwald.

Im Osten steigt die Sonne hoch.

Ich mach noch einmal Halt

 

und atme tief die frische Luft.

Egal, was kommen mag.

Mit Vogelsang und Tannenduft

beginnt ein guter Tag.

 

18. März 2007

 

 

Heiße Sehnsucht

 (Satire)

 

Wenn der Frühling wieder lenzt,

Fritzchen gern die Schule schwänzt.

Er geht raus in die Natur,

wartet auf sein Gretchen nur.

 

Gerne hätt’ er sie genommen,

aber sie ist nicht gekommen.

Nein, wie find’ ich das gemein!

Könnte ich doch Gretchen sein!

 

Ich hätt’ Fritzchen nicht versetzt,

hätte ihn nicht so verletzt.

Käm’ ein Fritzchen für mich her,

ach, wie glücklich ich dann wär!

 

Und ich denk im Herzen still:

„Ob mich dies Jahr einer will?“

Kommt, ihr Männer, kommt heran!

Wann beißt ihr denn endlich an?

 

1. April 2007

 

 

Deine Freiheit

 

Zufrieden sein mit dem eigenen Leben.

Dem anderen gönnen, was dir nicht gegeben.

 

Die Rechte des Nächsten selbstredend achten.

Nicht stets nur nach eigenem Vorteil trachten.

 

Mit Freuden den Pflichten entgegensehen.

Mit offenen Augen durchs Leben gehen.

 

Dein Dasein so, wie es ist, akzeptieren.

Den Mut zum Leben niemals verlieren.

 

Wünsche stets dir das Glück herbei.

Bleibe du selbst, nur dann bist du frei!

 

30. Juni 2007

 

 

Ramadu und Immerleben

 

Der starke Riese Ramadu,

der arme Mann hat keine Ruh.

Er hat im Traum 'ne Maus verschluckt,

die sitzt im Bauch und zwickt und druckt.

 

Und weil er jammert nun und klagt,

hat seine Frau zu ihm gesagt:

„Geh schnell zum Doktor Immerleben,

der soll dir einen Ratschlag geben.“

 

Der Doktor lacht ganz herzlich laut.

"Herr Riese, dafür gibt's kein Kraut.

Schluck deine Miezekatz dazu,

dann hat die Maus im Bauche Ruh!"

 

20. Juni 2007

 

 

Meine treulose Muse

 

Als mich die Muse mal geküsst,

da fing ich an zu schreiben.

Doch weil die Muse treulos ist,

wollt sie nicht länger bleiben.

 

Nun war sie fort, ich war allein,

mir wollte nichts mehr glücken.

Kein einz’ger Reim fiel mir mehr ein.

Das sind der Dichtkunst Tücken!

 

Trotzdem schreib ich auch weiterhin,

Romane, Kurzgeschichten,

was mir so gerade liegt im Sinn ...

Wer nicht reimt, kann auch dichten!

 

25. September 2007

 

 

Nächtlicher Regen

 

Seit Stunden wälze ich mich schlaflos her und hin.

Gedanken quälen mich, ich kann sie nicht verbannen.

Schleicht einer fort, kommt mir ein neuer in den Sinn.

So schaffe ich es nie, mich endlich zu entspannen!

 

Dann plötzlich sind sie still, die Geister, die mich fingen.

Ich hör ein zärtlich leises Raunen in der Nacht.

Ob gute Feen heimlich in den Sträuchern singen?

Sind Elfen dort in Wald und Feldern aufgewacht?

 

Ich lausche, spüre, dass ich plötzlich ruhig werde.

Ein Nieselregen rieselt durch den trocknen Baum.

Ein frischer, herber Duft entsteigt der feuchten Erde

und zieht durchs offne Fenster bis in meinen Raum.

 

Ihr Regenlieder, Stimmen nächtlicher Natur,

die ihr erklungen seid in dieser Dunkelheit,

durch das geheimnisvoll gedämpfte Rauschen nur,

habt ihr mir sanften Schlaf gebracht zur rechten Zeit.

 

17. November 2007

 

 

Oktobermorgen

 

Der Winter naht, der Sommer flieht.

Dicht hängt der Nebel überm Bruch.

Nur zaghaft klingt das Morgenlied

der Vögel durch das weiße Tuch.

 

Die Bäume stehn wie dunkle Riesen,

es zittert sanft ihr buntes Laub.

Der Wind singt leise durch die Wiesen.

Ein Blatt tanzt nieder in den Staub.

 

Im Garten blühn die Chrysanthemen.

In blankem Gold strahlt ihr Gesicht.

Noch ruhn im Nebel sie wie Schemen

und warten auf der Sonne Licht.

 

Den Rosen war zu kalt die Nacht.

Sie senden ihren letzten Duft.

Die Häupter senken sie schon sacht

und warten, dass der Tod sie ruft.

 

Den Rhododendron seh ich gerne,

er tröstet mich in dieser Zeit,

denn für den Frühling, der noch ferne,

hält er die Knospen schon bereit.

 

13. Oktober 2007

 

 

Wintermorgen

Dunkelheit lastet auf Wiesen und Wald.

Kein Vogelsang in den Büschen erschallt.

Umhüllt hat der Raureif die Bäume heut,

wie mit Puderzucker den Boden bestreut.

 

Ich ahne den Schnee in der kalten Luft,

die mir begegnet mit würzigem Duft

nach Pilzen, Tannen und feuchtem Grund.

Noch bin ich allein hier mit meinem Hund.

 

Die Schallwellen tragen durchs Nebelmeer,

das Rattern der Eisenbahn laut bis hierher.

Zum Tagesanfang das Glockengeläute

klingt feierlich aus drei Kirchen heute.

 

Nun herrscht im Bruch wieder tiefes Schweigen.

Ganz leise singt der Wind in den Zweigen

und rechts im Gebüsch, da knistert es sacht.

Vielleicht ist ein Mäuschen dort eben erwacht.

 

Noch steht eine Nebelwand vor uns dicht,

doch warten wir schon auf das Tageslicht.

Wir atmen die kühle Luft ein und aus

und gehen im Dämmerlicht langsam nach Haus.

 

20. Dezember 2007

 

 

Immer der gleiche Trott

 

Halb sieben am Morgen schrillt pünktlich mein Wecker.

Ich gähne und stöhne: "Schon aufsteh’n? O nein!"

„Miau-au!“, schreit Pussi, „wo bleibt denn mein Lecker?“

Und Bello jault kläglich: „Ich muss mal mein Bein

schnell heben! Die Nacht war zu lang! Lass mich raus!“

So komm ich aus meinen Träumen nach Haus!

 

Zum Anzieh’n bleibt wirklich mir jetzt keine Zeit.

Der Schlafanzug wird unterm Jogger verborgen.

Dann mach ich der Katze den Napf schnell bereit.

„He, Bello, du kannst schon die Leine besorgen!

Die Kaffee-Maschine schmeiß ich derweil an,

damit ich beim Heimkommen frühstücken kann.“

 

Nun geht es hinaus durch die Wiesen und Felder.

Mein Bello rennt fünfmal die Strecke im Bogen.

Es fängt an zu regnen, mir wird’s immer kälter.

Ach, hätt’ ich den Anorak doch angezogen!

„Komm, Bello! Dein Frauchen will wieder nach Hause

und ganz flink unter die heiße Brause.“

 

Im Rückwärtsgang setzt sich mein Bello gleich ab.

Den Regen liebt er nämlich auch nicht gerade.

Ich folge ihm, setze mich ganz  leicht in Trab

und kriege auch prompt einen Krampf in der Wade.

Erst will ich jetzt duschen, dann geht’s an den Tisch

zu Kaffee und Brötchen. Danach bin ich frisch.

 

Im Wohnzimmer schüttelt sich Bello ganz mächtig.

Sein Fell bleibt doch nass, ihm hat’s wenig genutzt,

doch tropfen Klavier, Schrank und Fernseher prächtig.

Warum hab ich gestern dort gründlich geputzt?

Heut tu ich nichts mehr, streck faul mich nur nieder,

doch morgen hat mich der Alltagstrott wieder.

 

20. November 2007

 

Sieger im Monatswettbewerb November 2007

Autorenforum SpruchReif

 

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